Blick in die Forschung

Netzwerkeffekte des Innovationspreises des Landkreises Göttingen

Welche Netzwerkeffekte hat der Innovationspreis des Landkreises Göttingen? Welche Branchen und Kompetenzfelder sind vertreten? Lässt sich ermitteln, wie viele Kontakte zwischen teilnehmenden Unternehmen und Institutionen der Region durch den Innovationspreis geknüpft oder intensiviert wurden? Diesen und weiteren Fragen widmete sich die Forschungsarbeit von Annika Boden am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung an der Georg-August-Universität Göttingen, in der die Entwicklungen der Jahre 2013 bis 2017 untersucht wurden. Die Daten aus dem Jahr 2018 wurden vom SNIC in Absprache mit der WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH ergänzt.

Potentialanalyse

Die Potenzialanalyse beleuchtete, welche Kompetenzfelder beim Innovationspreis in den untersuchten Jahren vertreten waren. Bei der Auswertung der 435 berücksichtigten Teilnahmen zeigte sich, dass die Kompetenzfelder Dienstleistungen und Bildung am stärksten beteiligt waren. Die geringste Vertretung verzeichneten die Bereiche Energie- und Umwelttechnologie sowie Agrar- und Forstwirtschaft.

Abbildung 1: Verteilung der Teilnehmer nach Kompetenzfeld

Bei den meisten Branchen lässt sich kein Trend über den betrachteten Zeitraum beobachten. Eine Ausnahme bildet das Kompetenzfeld Kunst, das über die fünf Jahre gewachsen ist.

Räumliche Verteilung der Bewerbungen

In der Abbildung 2 wird gezeigt, wie sich die Teilnehmenden über Deutschland verteilen. 2013 wurde nur ein kleiner Raum um die Region Göttingen angesprochen, während die folgenden Jahre auch Teilnahmen aus weiter entfernten Regionen zeigen. In Zahlen ausgedrückt sind die Teilnahmen aus dem Landkreis Göttingen von 75 % im Jahr 2013 auf 56 % im Jahr 2016 und 26 % im Jahr 2018 gesunken. Während in den Jahren 2014 und 2016 eine Tendenz zur weiträumigeren Ausbreitung der Bewerbungen erkennbar ist, fokussierten sich die Teilnahmen 2017 wieder stärker auf die Region Südniedersachsen.

Abbildung 2: Bundesweite Verteilung der Teilnehmer 2013-2017

2017 wird deutlich, dass der Wirkungskreis um Göttingen herum im Vergleich zum Jahr 2013 deutlich vergrößert ist. Diese Entwicklung wird 2018 bestätigt (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Verteilung der Bewerbungen im Jahr 2018

2018 stammten 82 % der Bewerbungen aus Südniedersachsen, die übrigen 18 % Bewerbungen teilten sich fast gleichmäßig auf das restliche Niedersachsen (6 %), das angrenzende Thüringen (6 %) sowie Bewerbungen aus den Bundesländern Baden-Württemberg (1), Bayern (1), Berlin (1), Hessen (1) und Nordrhein-Westfalen (2) auf. Die Bemühungen, auch aus dem Harz, insbesondere aus dem ehemaligen Landkreis Osterode, mehr Bewerbungen zu erhalten, waren tendenziell erfolgreich. Der Anteil von Unternehmen aus dem Gebiet ist von 2 % im Jahr 2013 auf
10 % in 2016 gestiegen. In den Jahren 2017 und 2018 lag die Beteiligung jeweils bei 6 %.

Befragung zur Netzwerkanalyse

Auf Basis einer anschließenden Online-Befragung von 384 ehemaligen Teilnehmenden des Innovationspreises sollte beleuchtet werden, wie viele Kontakte zwischen Teilnehmenden untereinander sowie zu Institutionen der Region durch den Innovationspreis geknüpft wurden und wie intensiv sich diese Kontakte gestalten. Die Befragung hatte eine Rücklaufquote von rund 14 % (n=52).

Abbildung 4: Darstellung des Netzwerks des Innovationspreises auf Basis einer Online-Befragung

42 % der Antworten kamen aus dem Stadtgebiet Göttingen. Aus dem Landkreis Göttingen und von außerhalb des Landkreises Göttingen war die Anzahl der Rückläufe nahezu identisch. Da die Verteilung der Kompetenzfelder in der Stichprobe der Verteilung unter allen Teilnehmern entsprach, wurde die Stichprobe in dieser Hinsicht als repräsentativ eingestuft. Durch die relativ geringe Rücklaufquote wird in Abbildung 4 jedoch nur ein Ausschnitt des gesamten Netzwerkes des Innovationspreises dargestellt.

Unter den Antworten gaben ca. 30 % an, dass sie Kontakte zu anderen Teilnehmern aufgenommen haben. Dazu kamen sechs Antworten, die zwar keine Kontakte zu anderen Teilnehmern, aber zu Institutionen aufgenommen haben. Die Teilnehmenden, die angaben, Kontakte zu pflegen, referenzierten sich fast immer gegenseitig, was die Belastbarkeit der Angaben stützt. Die Mehrheit der Verbindungen wurde auf informeller Ebene geschlossen. Daneben sind sechs wirtschaftliche Geschäftsbeziehungen, acht Forschungszusammenarbeiten und sieben konkrete Projekte entstanden. Dargestellt wird dies durch die unterschiedlichen Farben der Verbindungen. Die Stärke der Verbindungslinien repräsentiert die Intensität der Beziehungen. Die Forschungszusammenarbeiten sind dabei häufig langfristiger Natur, die anderen Beziehungsformen variieren zwischen kurzfristigen und langfristigen/regelmäßigen Beziehungen. Deutlich wird dabei, dass Unternehmen, die viele Verbindungen haben, diese auch häufig langfristig und regelmäßig pflegen. Unternehmen, die nur vereinzelt Kontakt aufgenommen haben, pflegten in den meisten Fällen nur unregelmäßige Beziehungen oder sie knüpften ausschließlich Kontakte während der Veranstaltung. Als weiterer Aspekt ist zu berücksichtigen, dass es Unternehmen gibt, die viele Kontakte in ganz unterschiedlicher Form geknüpft haben, sie also bei ihren Netzwerkaktivitäten nicht nur auf eine Form konzentriert waren. Auch wenn davon ausgegangen wird, dass räumliche Nähe keine notwendige Bedingung ist, um Kontakte aufzunehmen, zeigte sich im Ergebnis, dass über 75 % der entstandenen Beziehungen zwischen Teilnehmenden entstanden sind, die in einer Distanz von maximal 10 km zueinander liegen. Beziehungen über größere Entfernungen hinweg sind im Vergleich zudem eher von geringerer Intensität. Insgesamt wurde deutlich, dass die geographische Nähe durchaus als ein entscheidender Faktor für die Aufnahme und Aufrechterhaltung von Kontakten angesehen werden kann. 82 % der Befragten gaben an, den Innovationspreis als Netzwerkveranstaltung wahrgenommen zu haben. Davon haben jedoch nur 34 % auch tatsächlich Kontakt zu anderen Teilnehmenden aufgenommen. Die Wahrnehmung zeigt damit keinen direkten Zusammenhang zum Erfolg der Vernetzung.

Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass der Innovationspreis einige Netzwerkeffekte generiert hat. Diese sind in verschiedenen Formen und Intensitäten nachweisbar und geben dem Erfolg der Veranstaltung eine untersuchte Grundlage. Stärken des Netzwerks sind die zentrale Netzwerkposition der WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH (WRG), die gute Vernetzung regionaler Institutionen und die damit verbundenen Möglichkeiten einer effizienten Abstimmung und der relativ rege informelle Austausch. Um die Vernetzung anzuregen, hat die WRG schon im Jahr 2003 das „Forum für Ideen“ eingeführt. Mit diesem Veranstaltungsformat erhalten alle Teilnehmer/innen des Innovationspreises eine exklusive Plattform zum Austausch und für gewinnbringende Impulse. Die WRG führt das Forum für Ideen an wechselnden Orten in der Region durch und organisiert Impulsvorträge und andere Programmhighlights. Trotz dieses Angebots zeigt sich, dass zwei Drittel der Teilnehmer/innen des Innovationspreises keine Kontakte aufgenommen haben. Dass in den Veranstaltungsformaten gegebene Potenzial wird demzufolge nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Hier empfiehlt es sich, konkrete Möglichkeiten und Maßnahmen zu eruieren, mit denen die Vernetzung der Akteure unterstützt werden kann.

Referenzverzeichnis

(1) Brandt, Arno, 2007: Wissensvernetzung in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen. Studie im Auftrag der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen.

(2) Brandt, Arno, Lina Polom und Marc Danneberg, 2016: Wissensvernetzung in der Metro-polregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg 2016. Aktualisierung der Studie zur Wissensvernetzung in der Region 2007.

(3) Thaler, Richard H. und Cass R. Sunstein, 2009: Nudge. Improving Decisions About Health, Wealth and Happiness, New internat. ed., Penguin, London.

Dieser Blick in die Forschung basiert auf der Abschlussarbeit „Netzwerkeffekte des Innovationspreises des Landkreises Göttingen“ von Annika Boden (M.A.), die am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung an der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführt wurde. Die Zahlen für 2018 wurden in Absprache mit der WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH nachträglich ergänzt.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Kilian Bizer
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung
0551 39 4602